“Grenzüberschreitende Zusammenarbeit verbessert die Behandlung von Krankheiten.“

Nicole - Team s+v
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12 March 2025 Lesezeit: 3 Minuten
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Frauen für die Bilateralen_Annette Luther

Annette Luther über gemeinsame Normen und Wissensaustausch und wie sie unsere Gesundheitsversorgung sicherstellen

Aktuell treibt eine Grippewelle wieder ihr Unwesen. Das ist in den Wintermonaten auch nichts Aussergewöhnliches und lässt sich mit Medikamenten aus der Apotheke meist gut behandeln. Dass wir für Vieles rasch und unkompliziert Zugang zu benötigten Arzneimitteln und Therapien haben, ist in der Schweiz dank einer guten Gesundheitsversorgung möglich. Und hier spielen gute Beziehungen zu Europa eine zentrale Rolle. Denn Gesundheit ist kein nationales Thema. Gesundheitsgüter werden überall auf der Welt produziert. Und die grenzüberschreitende Forschung trägt massgeblich dazu bei, Krankheiten besser zu verstehen und in der Folge erfolgreicher behandeln zu können. Welchen Nutzen die Bilateralen für uns und unsere Gesundheitsversorgung haben, weiss Annette Luther. Sie hat in Freiburg und Basel Pharmazie studiert und ist seit vielen Jahren in unterschiedlichen Tätigkeiten in der Pharma- und Chemiebranche tätig – unter anderem als Chefin der Länderbeziehungen bei Roche, als Vizepräsidentin des Pharma- und Chemieverbandes scienceindustries und als Präsidentin des Konzernverbands Swissholdings.

Frau Luther, was bedeutet der bilaterale Weg Ihnen persönlich?

Der bilaterale Weg ist für mich der erfolgreiche Sonderweg der Schweiz. Dank ihm können wir Teil des europäischen Binnenmarkts sein, ohne dass wir der EU oder dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) beitreten müssen. Die massgeschneiderten bilateralen Verträge haben in den vergangenen 25 Jahren viel zum Wohlstand in unserem Land beigetragen. Aus persönlicher Sicht bedeuten sie für mich ausserdem gute Beziehungen zu unseren Nachbarländern, freie Mobilität und Zusammenhalt in Europa.

Im Rahmen Ihrer beruflichen Tätigkeiten leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Schweizer Gesundheitsversorgung. Inwiefern ist im Hinblick auf diese Thematik eine geregelte Beziehung zu den europäischen Nachbarstaaten für uns unverzichtbar?

 Während der Covid-Pandemie haben wir erfahren, was es bedeutet, wenn plötzlich der grenzüberschreitende Warenverkehr zum Erliegen kommt. Gesundheitsgüter für den Schweizer Markt werden überall auf der Welt hergestellt und der europäische Binnenmarkt spielt für die reibungslose Versorgung der Schweiz eine wichtige Rolle. Für die Schweizer Unternehmen in der Life Science Branche spielt zudem die gegenseitige Anerkennung von Normen eine wichtige Rolle, wie auch die Möglichkeit, dringend benötigte Fachpersonen aus dem EU-Raum einzustellen, um weiterhin grosse Wertschöpfung aus der Schweiz heraus zu erbringen. Auch die Beteiligung der Schweiz am grössten Forschungsprogramm der Welt, Horizon Europe, ist für mich zentral, um den Innovationsstandort Schweiz zu bewahren.

Die künftige Ausgestaltung der bilateralen Verträge zwischen unserem Land und der EU ist demnach sowohl wirtschaftlich wie auch gesellschaftlich betrachtet wichtig. Wieso ist es Ihrer Ansicht nach jetzt zwingend, dass sich auch die Frauen für die Bilateralen stark machen?

Die Frauen stellen über die Hälfte der Stimmbevölkerung in der Schweiz. Falls wir in der Schweiz die Vorteile der bilateralen Verträge mit der EU bewahren wollen, müssen auch die Frauen davon überzeugt sein, dass diese der Schweiz in Bezug auf Wohlstand und offenen Austausch mit unseren Nachbarländern Vorteile bringen. Als Frau glaube ich, dass Zusammenarbeit der Schlüssel zum Erfolg ist, und dass unsere Lage mitten in Europa unsere Nachbarn zu natürlichen Verbündeten macht.

Es ist an der Zeit, zusammen für eine faire Zukunft und eine nachhaltige Europapolitik einzustehen. Denn sie bietet uns Frauen so viele Möglichkeiten! Je mehr Frauen, desto lauter sind wir!  

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